EM 2024: Auf welche KO-Spiele sollte ich mich als Fan bewerben?

Die zweite Bewerbungsphase für Tickets der EM 2024 in Deutschland ist gerade beendet, ein Großteil der Tickets wurde bzw. wird innerhalb der ersten beiden Phasen vergeben. Wer keine Tickets bekommen hat, kann noch auf die dritte Phase nach den Playoffs im März 2024 hoffen.

Für Anhänger der qualifizierten Länder steht bereits seit der Auslosung am 2. Dezember 2023 fest, wann, wo und gegen wen ihre Teams in der Vorrunde antreten. Aber auf welche KO-Spiele soll ich als Fan bieten? Insgesamt gibt es 8 Achtelfinale und damit 8 verschiedene Wege ins Finale – wenn denn das sportliche Vermögen so weit reicht. Je nach Einstieg kann der Weg unterschiedlich schwer und die Gegner unterschiedlich attraktiv sein. Top-Favoriten lauern bereits im Achtelfinale oder erscheinen erst im späteren Verlauf des Turniers. Welchen Weg nimmt mein Team?

KO-Phase bei Weltmeisterschaften

Bei Weltmeisterschaften wäre diese Frage relativ einfach zu beantworten. Bei einem Teilnehmerfeld von 32 Ländern und 16 Achtelfinalplätzen kommen immer genau zwei Mannschaften aus jeder Gruppe weiter. Die beiden Gruppenbesten einer Gruppe treffen dabei über Kreuz auf die beiden Gruppenbesten einer anderen Gruppe, d.h. z.B. der Erste Gruppe A gegen den Zweiten Gruppe B und der Zweite Gruppe B gegen den Ersten Gruppe A. Durch dieses Verfahren kann und wird sichergestellt, dass Teams aus der gleichen Gruppe frühestens im Finale wieder aufeinandertreffen können.

Das Verfahren bei Weltmeisterschaften erhöht die Planbarkeit deutlich. Für jede Mannschaft gibt es genau zwei von acht Achtelfinalen, über die sie in die KO-Phase einsteigen kann, einmal als Gruppenerster, einmal als Gruppenzweiter. Damit gibt es in der KO-Phase nur 7 Spiele, in denen die Lieblingsmannschaft auftauchen könnte. Das sind die zwei Achtelfinale, die sich jeweils anschließenden Viertel- und Halbfinale sowie das Finale, in das man über den einen Weg als Heim- und über den anderen Weg als Gastmannschaft kommen könnte.

Will man als Fan auf Nummer sicher gehen, um kein Spiel zu verpassen, müsste man nur auf diese 7 Spiele bieten. Außerdem ist von vornherein klar, auf welche Favoriten die Lieblingsmannschaft schon früh und auf welche Favoriten man erst relativ spät auf dem Weg ins Finale stoßen würde.

KO-Phase bei Europameisterschaften

Im Vergleich zu Weltmeisterschaften waren Europameisterschaften meistens kleiner. Lange Zeit gab es dort ein Teilnehmerfeld von 16 Mannschaften, die sich nach dem gleichen Verfahren wie bei Weltmeisterschaften einfach auf vier Viertelfinale aufteilen ließen. Aufgrund der hohen Leistungsdichte des europäischen Fußballs (bei den letzten WMs waren mindestens 13 von 32 Teams europäisch, also knapp 41% bei einem Weltbevölkerungsanteil von nur etwa 9%) hat die UEFA bereits für die EM 2016 entschieden, das Teilnehmerfeld auf 24 Mannschaften aufzustocken, und zwar in 6 Gruppen à 4 Mannschaften. Damit kommen neben den Gruppenersten und -zweiten auch die vier „besten“ Gruppendritten ins Achtelfinale.

Jede Mannschaft kann nun als Gruppendritter über ein weiteres Achtelfinale und einen weiteren Weg ins Finale vorstoßen. Genauer genommen ist es mehr als ein weiterer möglicher Achtelfinalplatz, denn bei vier zur Verfügung stehenden Plätzen und 6 Gruppendritten müssen sich die Gruppendritten die Plätze aufteilen. So steht z.B. bei der EM 2024 noch nicht fest, gegen welchen der Dritten aus den Gruppen A, D, E und F (kurz: 3A/D/E/F) sich nun der Erste der Gruppe B (kurz: 1B) in Spiel 39 in Köln behaupten muss.

EM 2024: Die Achtelfinale der Gruppendritten

Andererseits müssen sich Gruppendritte abhängig davon, welche 4 Drittplatzierten sich qualifizieren, auf unterschiedlich Achtelfinalgegner einstellen. Der Dritte der wohl schwersten Gruppe D, das könnte z.B. Österreich oder die Niederlande sein, könnte in folgende Achtelfinale kommen:

  • Spiel 39 gegen 1B, z.B. Spanien
  • Spiel 40 gegen 1C, z.B. England
  • Spiel 43 gegen 1E, z.B. Belgien

Als österreichischer Fan, der auf Nummer sicher gehen will, falls Österreich das Achtelfinale erreicht, sollte man sich neben diesen Spielen auch auf die Spiele bewerben, in die Österreich kommt, wenn es Gruppenerster oder Gruppenzweiter wird:

  • Spiel 44 als Gruppenerster gegen 2F, z.B. Türkei
  • Spiel 42 als Gruppenzweiter gegen 2E, z.B. Slowakei

Insgesamt kann also Österreich wie alle anderen Teams in Gruppe D in 5 von 8 verschiedenen Achtelfinalen landen. Gleiches gilt für Deutschland und die anderen Teams in Gruppe A. Bei den Teams der Gruppen B, C, E und F besteht etwas mehr Planungssicherheit. Hier sind es nur 4 mögliche Achtelfinale.  

EM 2024: Die Wege Deutschlands und der Schweiz ins Finale

Deutschland und die Schweiz spielen beide in Gruppe A. Ihre möglichen Wege ins Finale sind somit die gleichen.

  • Spiel 37 als Gruppenerster gegen 2C, z.B. Dänemark
  • Spiel 38 als Gruppenzweiter gegen 2B, z.B. Kroatien
  • Spiel 39 als Gruppendritter gegen 1B, z.B. Spanien
  • Spiel 41 als Gruppendritter gegen 1F, z.B. Portugal
  • Spiel 43 als Gruppendritter gegen 1E, z.B. Belgien

Klare Regeln für die Zuweisung der Gruppendritten

Diese Zuordnung mag willkürlich erscheinen, folgt aber den klaren Regeln der UEFA, die in Artikel 21.05 der Regulations of the UEFA European Football Championship 2022-24 in Abhängigkeit von den qualifizierten Gruppendritten vorgeben, welche Mannschaft in welches Achtelfinale kommt. Insgesamt können 15 verschiedene Fälle eintreten, je nachdem, welche der 6 Gruppendritten zu den vier besten gehören. Für jeden Dritten gibt es 10 positive Fälle, in denen das Team einen Achtelfinalplatz ergattert, und 5 negative Fälle, in denen das Team aus dem Turnier ausscheidet. Eine Zusammenfassung der 15 Fälle ist hier gegeben:

Zuordnung der vier besten Gruppendritten zu den Achtelfinal-Plätzen bei der EM 2024
Tabelle 1: Anzahl der Fälle, in denen Gruppendritte bei der EM 2024 einem bestimmten Achtelfinalspiel und somit einem bestimmten Gegner zugeordnet werden

Die Tabelle liest sich wie folgt: In Spiel 39 tritt z.B. der Erste Gruppe B (1B) gegen den Dritten aus Gruppe A, D, E oder F (3A/D/E/F) an. Die 15 möglichen Fälle sind in der ersten Spalte beschrieben: In je 5 Fällen trifft 1B auf 3E oder 3F, in 3 Fällen auf 3A und in 2 Fällen auf 3D.

Andererseits spielt der Dritte der Gruppe F (3F, letzte Zeile) in je 5 Fällen gegen 1B oder 1C, in weiteren 5 Fällen scheidet er aus.

Allgemein kann man sagen, dass i.d.R. die Dritten der ersten drei Gruppen A, B und C gegen die Ersten der letzten 3 Gruppen D, E und F spielen und umgekehrt. Ausnahmen von dieser Regel ergeben sich immer dann, wenn sich alle Dritten der ersten 3 Gruppen oder alle Dritten der letzten 3 Gruppen qualifizieren. In den Fällen spielt dann 3A gegen 1B bzw. 3D gegen 1E.

Mehr Variabilität im Turnierverlauf

Die Regelung zu den Gruppendritten schafft weitere interessante Optionen für den Turnierverlauf. Bestes Beispiel war die Europameisterschaft Portugals bei der EM 2016 in Frankreich. Das Team war in der Gruppenphase mit drei Unentschieden nur Dritter geworden. Es rettete sich so eben mal in das Achtelfinale, vor Albanien und der Türkei, die als weitere Gruppendritte mit je einem Sieg und zwei Niederlagen ebenfalls 3 Punkte, aber das schlechtere Torverhältnis hatten. Später schlug Portugal dann Frankreich im Finale mit 1:0.

Die Gruppenphase großer Turniere kennt viele weitere interessante strategische Konstellationen, eine subjektive Auswahl davon zeigen wir im Artikel zu Turnierstrategie.