Liga-Design beschäftigt sich mit der optimalen Struktur einer Liga oder Ligapyramide. Das ist eine schwierige Problematik, zumal schon nicht ganz klar ist, was eigentlich “optimal” heißt. Für einen Verband ist es verlockend, das Spieljahr mit möglichst vielen Spielen und möglichst vielen Mannschaften in verschiedenen Wettbewerben zu bestücken, denn Einnahmen aus Fernsehrechten und Stadionbetrieb sind an die Spiele gekoppelt. Aber langfristige Entscheidungskriterien wie Fan- oder Zuschauerbindung sind häufig beim Liga-Design viel wichtiger.
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Größe der Ligen im Fußball
Es gibt also einen natürlichen Anreiz, nationale Ligen möglichst groß zu gestalten. Von den fünf Top-Ligen in Europa (England, Deutschland, Spanien, Italien und Frankreich) hat nur die Bundesliga noch ein Teilnehmerfeld von 18 Mannschaften und somit 34 Spieltage pro Saison, alle anderen haben 20 Mannschaften mit 38 Spieltagen. Offensichtlicher Nachteil derart großer Ligen ist der dichte Zeitplan. Die vier weiteren Spieltage liegen überwiegend in der Winterpause anderer Ligen. So gab es in der Premier League in der Saison 2022/23 z.B. zwischen dem zweiten Weihnachtsfeiertag und dem ersten Januar-Wochenende drei PL-Spieltage.
Leistungsdichte
Ein anderer Nachteil wird überhaupt nicht erkannt bzw. stark unterschätzt: Je größer die Liga, desto größer der Leistungsunterschied zwischen dem Ersten und dem Letzten. Bestehen in einer Liga große Leistungsunterschiede, so treten Phänomene wie Dauermeister und Schießbuden-Teams auf. Das Zufalls- und Überraschungsmoment, das bei sogenannten Low-Scoring-Games – Sportarten, bei denen wenig Tore fallen – normalerweise für Spannung sorgt, tritt in den Hintergrund.
Mehrgliedrige Ligen
Beim Design der Struktur der nationalen Ligen spielt neben dem technischen Argument der Leistungsdichte der Fanzuspruch die entscheidende Rolle. Gibt es genügend landesweit bekannte Vereine mit entsprechender Zugkraft, lohnt es sich eingliedrige zweite oder gar dritte Ligen aufzusetzen. Besitzen die meisten Teams nur regionale Zugkraft, sollte eher in mehrgliedrige Ligen aufgefächert werden. Hier verringern sich die Anfahrtswege zu den Spielen, was insbesondere größeren Zuspruch durch Auswärtsfans bedeuten könnte. Auch die Anzahl der Derbys steigt. Nachteil ist, dass an der Schnittstelle zwischen höher-klassiger eingliedriger und nieder-klassiger mehrgliedriger Liga ein Flaschenhals entsteht, der einen Aufstieg aufstrebender Mannschaften enorm erschwert.
Struktur und Spannung
Wenn Verbände also über die Struktur der Ligapyramide nachdenken, sollten sie die Rahmenbedingungen so setzen, dass möglichst lange viel Spannung in der Liga bleibt. Innerhalb der eigenen Strukturen betrifft das Meisterschaft und Abstieg sowie Relegation nach unten wie oben. Außerhalb der eigenen Strukturen geht es um die Qualifikation für externe Wettbewerbe wie Champions League und Euro League. Langfristig wird der Zuschauer nur dann ins Stadion gehen, ein Abo eines Bezahlsenders abschließen oder Werbeblöcke über sich ergehen lassen, wenn der gezeigte Fußball spielerisch anspruchsvoll ist und der Ausgang der Liga nicht schon zu Beginn der Saison klar ist.
Quantitative Modelle finden im Fußball auch weitere Anwendungsmöglichkeiten.
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