Bei der Betrachtung der Berichterstattung zu Fußballspielen könnte man meinen, Zahlen hätten den Fußball schon sehr stark durchdrungen. Die Daten liegen häufig sehr granular oder für einzelne Spieler isoliert vor, für die Verdichtung zu aussagekräftigen Kenngrößen fehlen mitunter noch die Modelle.
Erst damit lässt sich der Ausgang eines vorliegenden Spiels erklären oder gar eine Prognose für den Ausgang einer Saison oder eines Turniers geben.
Daten und Datenquellen
Kenngrößen aus der Spielanalyse
Größte Informationsquelle sind die Spiele selber. Für die Analyse stehen Unmengen an Kenngrößen zur Verfügung. Da ist z.B. die Rede von:
- Toren,
- Torschüssen,
- Pässen,
- Flanken
- Dribblings,
- Ballbesitz,
- Zweikämpfen,
- Fouls,
- Abseits und
- Ecken
und den dazugehörigen Quoten wie z.B. der Passquote. Diese lassen sich anhand der Auswertung von Spielen direkt gewinnen. Sie stehen unmittelbar und öffentlich zur Verfügung, können z.B. in bestimmten Medienportalen wie z.B. dem Kicker nachgeschaut werden.
In der Bildberichterstattung werden häufig auch noch weitere Kenngrößen genannt wie z.B.
- Sprint- und Schussgeschwindigkeiten,
- Statistik zu Angriffsrichtungen,
- erwartete Tore (oder gleich: expected goals)
Kenngrößen scheinen in den Medien dabei auch Moden zu unterliegen. Die überspielten Gegner haben sich z.B. nicht dauerhaft in der medialen Berichterstattung halten können.
Datenmaterial aus anderen Quellen
Abseits der direkten Spielanalyse stehen professionellen Vereinen i.d.R. weitere Quellen zur Verfügung. So können im Training (nicht-öffentliche) Leistungsdaten erhoben werden. Die medizinische Abteilung erhebt Werte zur Fitness bzw. zum Stand von Beschwerden und Verletzungen, die es i.d.R. nicht in die Öffentlichkeit schaffen.
Scouting-Abteilungen tragen Informationen zu potentiellen neuen Spielern aus Ligen auf der ganzen Welt zusammen, die deutlich über die Informationen wie Position, Alter, Größe und Gewicht hinaus gehen, die auf einschlägigen Internet-Plattformen wie transfermarkt.de erhältlich sind.
Heutige Profivereine müssen immer auch die wirtschaftlichen Aspekte im Fokus haben. Daher gewinnen auch Verkaufszahlen für Tickets, Trikots und andere Fanartikel an Bedeutung. Auch das gesamtwirtschaftliche Umfeld sowie das wirtschaftliche und sportliche Umfeld der Konkurrenz haben einen wichtigen Einfluss.
Quantitative Modelle
In vielen Konstellationen kommen bereits quantitative Methoden zum Einsatz. Insbesondere bei der Verdichtung von Informationen können sie jedoch viel mehr leisten. Sie können nicht nur die Basis für die taktische Einstellung auf ein einzelnes Spiel legen, sie können auch die strategische Ausrichtung einer Mannschaft, eines Vereins oder gar eines Verbands über einen längeren Zeitraum wie ein Turnier, eine Saison oder eine Ära entscheidend beeinflussen.
Um Aussagen über einen längeren Zeitraum zu machen, müssen die vorhandenen Daten geeignet ausgewählt, verdichtet und in die Zukunft prognostiziert werden. Dabei können klassische Regressionsverfahren wie auch Methoden der künstlichen Intelligenz zum Einsatz kommen.

Anwendungsfälle im Fußball
Beispiele für den Nutzen quantitativer Modelle finden sich viele, auch für unterschiedliche Adressaten und Zeithorizonte:
- Im Risikomanagement sind häufig einfache Modelle wie Auswirkungs-/ Wahrscheinlichkeitsmatrizen im Einsatz, die aber nicht granular genug sind, um eine fundierte Basis für Entscheidungen zu stellen. Erforderlich sind daher quantitative Risikomodelle, die die Abhängigkeiten zwischen den vielen Einflussgrößen abbilden.
- Strategische Aspekte bei Turnieren werden häufig unterschätzt. Insbesondere der Vorrunde kommt eine entscheidende Rolle zu. Hier werden Favoriten versuchen, in einen vermeintlich einfachen Turnierast zu kommen. Außenseiter können sich womöglich das strategische Verhalten der Favoriten zu Nutze machen.
- Nationale Verbände sehen sich mit der Aufgabe konfrontiert, wie die heimische Liga-Struktur so aufgesetzt werden kann, dass die Liga für Fans spannend bleibt und gleichzeitig die Topklubs im internationalen Geschäft unterstützt werden? Aspekte dabei sind die Konstruktion der Liga-Pyramide sowie das Aufsetzen eines Spielplans. Damit beschäftigt sich Liga-Design.
Vereine, Verbände und Medien profitieren von der quantitativen Aufbereitung der jeweiligen komplexen Sachverhalte.
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